Kurz beantwortet: Eine kleine Zahnaufnahme liegt bei wenigen Mikrosievert, ein OPG bei etwa 10 bis 20, ein DVT je nach Volumen bei etwa 20 bis 200. Ein Flug nach New York bringt je Richtung grob 30 bis 70 Mikrosievert kosmische Strahlung mit sich, allein durch die Flughöhe. In Deutschland erhält jeder Mensch ohnehin rund 2.100 Mikrosievert pro Jahr aus natürlichen Quellen. Zahnärztliches Röntgen bewegt sich also im Bereich alltäglicher Größenordnungen — was es nicht überflüssig macht, jede Aufnahme zu begründen.
„Muss das sein mit dem Röntgen?“ ist eine der häufigsten Fragen in unserer Praxis, und sie ist berechtigt. Nur lässt sie sich schlecht mit Beruhigungsformeln beantworten. Besser mit Zahlen — und mit einer Einheit, die man einordnen kann.
Gemessen wird die effektive Dosis in Mikrosievert (µSv). Sie gewichtet, wie empfindlich das bestrahlte Gewebe ist, und macht damit sehr unterschiedliche Situationen vergleichbar: eine kleine Aufnahme am Zahn und einen Langstreckenflug.
Die Größenordnungen im Vergleich
Bissflügel- oder Einzelzahnaufnahme, digital
Die kleine Aufnahme zur Kariesdiagnostik, mit rechteckigem Tubus eingeblendet
1–5 µSv
Natürliche Strahlung in Deutschland, ein Tag
Kosmische Strahlung, Boden, Baustoffe, Nahrung — ohne dass Sie etwas tun
ca. 6 µSv
OPG — Panoramaaufnahme, digital
Beide Kiefer in einem Bild, inklusive Kieferhöhlen und Kiefergelenken
10–20 µSv
Flug Frankfurt–New York, eine Richtung
Kosmische Strahlung in 10 bis 12 km Höhe, grob 5 bis 6 µSv pro Stunde
30–70 µSv
DVT — 3D-Aufnahme, je nach Volumen und Auflösung
Kleines Volumen im Low-Dose-Modus am unteren Ende, großes hochauflösendes Volumen am oberen
20–200 µSv
Computertomographie des Kopfes, im Krankenhaus
Zum Vergleich, weil DVT und CT oft verwechselt werden — es sind verschiedene Verfahren
1.000–3.000 µSv
Natürliche Strahlung in Deutschland, ein Jahr
Der Bezugswert, an dem sich alles andere messen lässt
ca. 2.100 µSv
Alle Werte sind Bereiche, keine Messwerte für Ihre Aufnahme. Sie schwanken mit Gerät, Einstellung, Aufnahmevolumen und Körperbau; die Literaturangaben gehen teils auseinander. Bezug: Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz, ICRP 103 und die europäischen Leitlinien zur Strahlenhygiene in der Zahnheilkunde.
In Größenordnungen gesprochen: Eine Bissflügelaufnahme entspricht etwa einem Tag Leben in Deutschland. Ein OPG entspricht etwa zwei bis drei Tagen. Ein einfacher Flug nach New York liegt in der Gegend eines OPG bis eines kleinen DVT — nur trifft er den ganzen Körper.
Warum der Flugvergleich hinkt — und trotzdem hilft
Er hilft, weil er eine Zahl in eine Erfahrung übersetzt: Kaum jemand storniert einen Urlaubsflug wegen kosmischer Strahlung, und die Größenordnung ist dieselbe. Er hinkt, weil die Verteilung eine andere ist. Beim Flug wird der ganze Körper gleichmäßig durchstrahlt, inklusive Rumpf und blutbildendem Knochenmark. Bei einer Zahnaufnahme liegt ein kleines Feld am Kiefer, und genau deshalb ist die effektive Dosis so niedrig.
Die Werte für Flüge schwanken zudem erheblich: mit der Route, der Flughöhe, der Dauer und der Sonnenaktivität. Für Frankfurt–New York finden sich Angaben von etwa 30 bis 70 Mikrosievert je Richtung, in manchen Quellen deutlich darüber. Wer solche Zahlen als exakte Größen präsentiert, überschätzt seine Datenlage.
Was wir in unserer Praxis dafür tun
Strahlenschutz ist keine Haltung, sondern eine Reihe konkreter Entscheidungen — beim Gerät, bei der Einstellung und bei der Frage, ob überhaupt geröntgt wird.
Osstem T2 — DVT und OPG in einem Gerät
Digitale Sensorik, wählbares Aufnahmevolumen und ein Low-Dose-Modus. Wir grenzen das Volumen auf die Fragestellung ein, statt routinemäßig den ganzen Kiefer zu erfassen: kleineres Feld, weniger Dosis.
Kleiner Tubus, rechteckig eingeblendet
Bei Einzelaufnahmen begrenzt der Tubus das Strahlenfeld auf die Fläche des Sensors. Ein rechteckiges Feld statt eines runden verkleinert das bestrahlte Volumen erheblich, bei gleicher Bildqualität. Die wirksamste einfache Maßnahme, die eine Praxis ergreifen kann.
Rechtfertigende Indikation, jedes Mal
Nach dem Strahlenschutzgesetz darf nur geröntgt werden, wenn die erwartete Information die Behandlung tatsächlich beeinflusst. Kein Bild „zur Sicherheit“, keine Aufnahme als Routine ohne Fragestellung.
Dazu gehört auch das Unspektakuläre: Vorhandene Aufnahmen von Vorbehandlern fordern wir an, statt sie zu wiederholen. Ihre eigenen Aufnahmen bekommen Sie auf Wunsch digital mit — auch für eine Zweitmeinung. Und jede Aufnahme wird im Röntgenpass dokumentiert, damit Sie und jeder weitere Behandler den Überblick behalten.
Kinder, Schwangerschaft, Angst vor Strahlung
Bei Kindern gilt dasselbe Prinzip strenger: kleinere Felder, kürzere Belichtung, und im Zweifel keine Aufnahme. Bei Karies im Milchzahngebiss entscheidet häufig der Blick und nicht das Bild. In der Schwangerschaft verschieben wir alles Planbare; bei akutem Behandlungsbedarf ist eine Aufnahme am Kopf mit Abschirmung vertretbar, weil das Strahlenfeld weit vom Bauch entfernt liegt. Sagen Sie uns eine Schwangerschaft bitte immer vorher, auch bei Verdacht.
Und der wichtigste Satz zum Schluss: Die größere Gefahr liegt fast immer in der nicht gestellten Diagnose, nicht in der Aufnahme. Eine unentdeckte Entzündung unter einer Krone richtet über Jahre mehr Schaden an als 15 Mikrosievert. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie uns vor der Aufnahme, warum wir sie für nötig halten — die Antwort sollte konkret sein und nicht „das machen wir immer so“ lauten.
Häufige Fragen
Ist Röntgen beim Zahnarzt gefährlich?
Die Dosis einer zahnärztlichen Aufnahme liegt in einem Bereich, den Sie im Alltag ohnehin erhalten: Eine kleine Zahnaufnahme entspricht etwa einem Tag natürlicher Strahlung in Deutschland. Ein Risiko lässt sich in diesem Bereich nicht messen, nur rechnerisch modellieren. Entscheidend ist deshalb nicht die Angst vor der einzelnen Aufnahme, sondern dass jede Aufnahme einen Grund hat.
Wie viel Strahlung hat ein DVT im Vergleich zu einem OPG?
Ein OPG liegt je nach Gerät und Einstellung etwa bei 10 bis 20 Mikrosievert. Ein DVT liegt je nach Volumen und Auflösung etwa zwischen 20 und 200 Mikrosievert. Ein klein eingegrenztes DVT im Low-Dose-Modus kann damit in die Nähe eines OPG kommen, ein großes hochauflösendes Volumen liegt deutlich darüber. Das Volumen wird auf die Fragestellung begrenzt.
Entspricht eine Röntgenaufnahme wirklich einem Flug?
Der Vergleich hilft zur Einordnung, ist aber nicht deckungsgleich. Bei einem Flug wird der ganze Körper gleichmäßig kosmischer Strahlung ausgesetzt, bei einer Zahnaufnahme ein kleines, klar begrenztes Feld. Die Angaben für einen Flug Frankfurt–New York schwanken je nach Route, Flughöhe und Sonnenaktivität; verbreitet sind Werte um 30 bis 70 Mikrosievert je Richtung.
Warum verwenden Sie einen kleinen Tubus?
Der Tubus begrenzt das Strahlenfeld auf die Fläche, die tatsächlich abgebildet wird. Ein rechteckig eingeblendetes Feld statt eines runden verkleinert das bestrahlte Volumen deutlich, ohne die Bildqualität zu verringern. Es ist die einfachste und wirksamste Dosisreduktion in der Zahnarztpraxis.
Darf in der Schwangerschaft geröntgt werden?
Planbare Aufnahmen verschieben wir. Bei akuter Notwendigkeit, etwa einer Entzündung mit Behandlungsbedarf, ist eine zahnärztliche Aufnahme mit Abschirmung möglich: Das Strahlenfeld liegt am Kopf, nicht am Bauch, und die Streustrahlung im Bereich der Gebärmutter ist verschwindend gering. Sagen Sie uns eine Schwangerschaft bitte in jedem Fall vorher.
Wie oft darf man geröntgt werden?
Es gibt keine gesetzliche Obergrenze an Aufnahmen pro Jahr, weil es keine sinnvolle Zahl gibt: Maßstab ist nicht ein Kontingent, sondern die rechtfertigende Indikation für jede einzelne Aufnahme. Vorhandene Aufnahmen fordern wir an, statt sie zu wiederholen.