RATGEBER · IMPLANTOLOGIE

Sofortimplantat: Zahn ziehen und implantieren in einem Termin.

Autor & fachliche Prüfung: Dr. F. J. Rodríguez Ruíz, MSc. Veröffentlicht: 2026 Aktualisiert: 2026 Lesezeit: ca. 5 Min.
AUCH IN Deutsch English Español Português

Kurz beantwortet: Unter günstigen Bedingungen lässt sich ein Implantat unmittelbar nach der Zahnentfernung in dasselbe Zahnfach setzen. Das spart einen Eingriff und mehrere Monate und erhält Knochen und Zahnfleischkontur besser. Voraussetzung sind eine entzündungsfreie Ausgangslage, ausreichend stabiler Knochen um das Zahnfach und eine intakte äußere Knochenwand. Fehlt eine dieser Bedingungen, ist der zweizeitige Weg der sicherere.

Ein Zahn, der nicht zu erhalten ist, hinterlässt ein Zeitfenster. In den ersten Monaten nach der Entfernung baut sich der Knochen an dieser Stelle am schnellsten ab, und die Zahnfleischkontur verändert sich mit. Das Sofortimplantat nutzt dieses Fenster, statt es abzuwarten.

Was dabei geschieht

  • Der Zahn wird so schonend wie möglich entfernt, ohne die umgebenden Knochenwände zu beschädigen — das ist der anspruchsvollste Teil
  • Das Zahnfach wird gereinigt und beurteilt: Ist die äußere Wand intakt, ist Entzündungsfreiheit gegeben?
  • Das Implantat wird in einer Position gesetzt, die Halt im stabilen Knochen findet — nicht zwangsläufig dort, wo die alte Wurzel lag
  • Verbleibende Spalträume werden mit Knochenersatzmaterial aufgefüllt, häufig zusätzlich mit einer PRF-Membran abgedeckt
  • Bei ausreichender Primärstabilität ist in geeigneten Fällen eine provisorische Sofortversorgung möglich

Die Vorteile, nüchtern benannt

Ein Eingriff statt zwei, eine Heilphase statt zwei, und insgesamt oft mehrere Monate weniger Behandlungszeit. Der fachlich wichtigere Punkt ist die Kontur: Weil Knochen und Zahnfleisch nicht erst einfallen und später wieder aufgebaut werden müssen, bleibt die natürliche Form besser erhalten. Im sichtbaren Frontzahnbereich entscheidet genau das über das Ergebnis.

Wann wir davon abraten

Bei einer akuten Entzündung oder Eiterbildung im Zahnfach wird nicht sofort implantiert — Bakterien und Einheilung schließen sich aus. Ebenso bei zerstörter äußerer Knochenwand, bei ausgedehntem Knochenverlust durch Parodontitis und wenn keine ausreichende Primärstabilität zu erreichen ist. In diesen Fällen ist das planmäßige Vorgehen besser: Zahnfach nach der Entfernung auffüllen, heilen lassen, danach implantieren. Das kostet Zeit und ist der verlässlichere Weg.

Ein weiterer Grund gegen die Sofortvariante kann in Ihnen selbst liegen: Rauchen, unbehandelte Parodontitis oder ein schlecht eingestellter Diabetes verschlechtern die Einheilung. Wir sprechen das offen an, statt das Risiko stillschweigend mitzutragen.

Was Sie vom Ablauf erwarten können

Ob Ihr Fall geeignet ist, lässt sich vorab am DVT abschätzen, aber endgültig erst nach der Zahnentfernung beurteilen. Deshalb planen wir beide Wege: Wir gehen mit der Absicht der Sofortimplantation in den Termin und entscheiden im Moment nach dem tatsächlichen Befund. Sie wissen vorher, was in beiden Fällen passiert und was es jeweils kostet — es gibt keine Entscheidung, über die Sie erst hinterher informiert werden.

Häufige Fragen

Habe ich sofort einen sichtbaren Zahn?

Eine Lücke bleibt nicht sichtbar offen. Ob eine festsitzende Sofortversorgung möglich ist oder zunächst provisorisch versorgt wird, hängt von der erreichten Stabilität ab.

Ist das Sofortimplantat riskanter?

Bei richtiger Indikation sind die Erfolgsraten mit dem zweizeitigen Vorgehen vergleichbar. Entscheidend ist, dass die Voraussetzungen wirklich vorliegen — deshalb wird im Eingriff neu bewertet.

Geht das auch bei einem entzündeten Zahn?

Bei chronischer, abgeklungener Veränderung häufig ja. Bei akuter Eiterung nein — dann wird zuerst behandelt und ausgeheilt.

Wird es dadurch günstiger?

Meist ja, weil ein Eingriff und eine Betäubung entfallen. Knochenersatzmaterial und gegebenenfalls PRF kommen hinzu. Der Vergleich beider Wege steht im Kostenplan.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Fachliche Prüfung: Dr. F. J. Rodríguez Ruíz, MSc., Zahnarzt bei A+ Dental, Düsseldorf-Oberkassel.

VERWANDTE BEHANDLUNGEN & ARTIKEL

Implantologie → PRF / Eigenblut → Knochenaufbau →

Ein Termin statt zwei — wenn die Bedingungen stimmen.

BERATUNG STARTEN →